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Extremitätenspastik

Extremitätenspastik ist eine abnorm erhöhte Muskelresistenz, die bei schneller Bewegung einer Extremität stärker wird. Sie entsteht durch Schädigungen von Gehirn oder Rückenmark und kann nach Schlaganfall, Zerebralparese, Schädel-Hirn-Trauma, Multipler Sklerose oder anderen Erkrankungen des zentralen Nervensystems auftreten. Die Muskelüberaktivität kann Komfort, Hygiene, Ankleiden, Handgebrauch, Positionierung, Gehen oder Pflege beeinträchtigen.

Botulinumtoxin kann die Überaktivität ausgewählter Muskeln vermindern. Ein niedrigerer Muskeltonus bedeutet jedoch nicht automatisch eine bessere Funktion. Schwäche, eingeschränkte motorische Kontrolle, Schmerzen, Gelenksteife und feste Kontrakturen beeinflussen ebenfalls, was eine Person tun kann.

BefundBedeutung für die Interpretation
Dynamische MuskelüberaktivitätEin Muskel kann ein sinnvolles Ziel sein, wenn seine Überaktivität zu einem klar definierten Problem beiträgt.
Feste KontrakturStrukturelle Verkürzung oder Gelenkeinschränkung kann trotz verminderter Überaktivität bestehen bleiben.
Vorbestehende SchwächeZusätzliche Schwächung kann zwar den Tonus senken, aber Griff, Transfer, Stand oder Gang verschlechtern.
Eingeschränkte selektive motorische KontrolleDie aktive Nutzung kann schwierig bleiben, selbst wenn passive Bewegung leichter wird.
Schmerzen, Hautschäden oder PflegeproblemeKomfort, Positionierung, Hygiene, Orthesenverträglichkeit und Pflegeerleichterung können auch ohne bessere aktive Bewegung relevante Ziele sein.

Die US-Fachinformation zu BOTOX weist ausdrücklich darauf hin, dass keine Verbesserung der funktionellen Fähigkeiten der oberen Extremität oder des Bewegungsumfangs eines von fester Kontraktur betroffenen Gelenks gezeigt wurde. Tonuswerte allein belegen daher keinen praktischen Nutzen.

ProduktUS-Umfang bei ExtremitätenspastikWichtige Grenze
BOTOX (onabotulinumtoxinA)Spastik ab 2 Jahren, mit Dosierungsabschnitten für obere und untere Extremitäten bei Erwachsenen und KindernDie genannte Funktions- und Kontrakturbeschränkung ist Teil der Fachinformation.
DYSPORT (abobotulinumtoxinA)Spastik ab 2 Jahren, mit Dosierungsabschnitten für obere und untere Extremitäten bei Erwachsenen und KindernEinheiten und Dosierungsrahmen gelten speziell für DYSPORT.
XEOMIN (incobotulinumtoxinA)Spastik der oberen Extremität ab 2 JahrenDie aktuelle US-Indikation erstreckt sich nicht auf die untere Extremität.

Die Tabelle beschreibt den Zulassungsumfang, nicht Gleichwertigkeit oder eine Rangfolge. Eine Zulassung für eine Extremität oder Altersgruppe darf nicht auf andere Bereiche übertragen werden.

Behandlungsziele bestimmen die Bedeutung einer Reaktion

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ErgebnisbereichBeispiel einer bedeutsamen Veränderung
MuskelüberaktivitätWeniger Widerstand bei passiver Bewegung oder weniger unwillkürliche Haltungen
Passive FunktionEinfachere Handflächenpflege, Kleidung, Positionierung, Schienung oder Unterstützung
Aktive FunktionBesseres Greifen, Loslassen, Stehen oder Gehen, sofern genügend motorische Kontrolle erhalten ist
Symptome und GewebeschutzWeniger Schmerzen, Druck- oder Hautprobleme und mehr Komfort
Individuelle ZielerreichungFortschritt bei einem vorab vereinbarten Aktivitäts- oder Pflegeziel

Übersichtsarbeiten zur Behandlung der oberen Extremität nach Schlaganfall unterscheiden passive Vorteile von aktiven Funktionsgewinnen und betonen die Zielauswahl. Eine sinnvolle Beurteilung beginnt daher mit dem Problem, das eine bestimmte Haltung oder ein Muskelmuster verursacht, nicht mit dem allgemeinen Ziel, „den Tonus zu senken“.

Obere und untere Extremität sowie Erwachsene und Kinder unterscheiden sich

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An der oberen Extremität können Faustschluss, gebeugtes Handgelenk oder Ellenbogen, Schulterhaltung, Schmerzen sowie Hygiene- und Ankleideprobleme im Vordergrund stehen. An der unteren Extremität können Fußstellung, Schuhe, Orthesen, Stand, Transfer oder Gang entscheidend sein. Das Gleichgewicht zwischen nützlichem Tonus und unerwünschter Schwäche ist je nach Aufgabe verschieden.

Bei Kindern erfolgt die Behandlung im Zusammenhang mit Wachstum, Entwicklung, Orthesenversorgung, Rehabilitation und teilweise Operationsplanung. Produktinformation und Boxed Warning verdienen besondere Beachtung, weil eine entfernte Ausbreitung der Toxinwirkung am häufigsten bei Kindern berichtet wurde, die wegen Spastik behandelt wurden.

Zu den Risiken gehören übermäßige lokale Schwäche, Schmerzen, Stürze oder Verlust eines nützlichen Kompensationsmusters sowie Symptome einer entfernten Toxinwirkung, einschließlich Schluck- oder Atembeschwerden. Die Beurteilung hängt von behandelten Muskeln, Gesamtexposition, neuromuskulärer oder respiratorischer Anfälligkeit und Ausgangsmobilität ab.

Anatomische Zielbestimmung, produktspezifische Dosierung und Nachbeobachtung sollten deshalb an ein ausdrückliches Funktions- oder Pflegeziel gebunden bleiben. Siehe Dosisinterpretation, Einfluss der Anatomie auf die Botulinumtoxin-Interpretation und Sicherheits- und Nebenwirkungsinterpretation.